Die Geschichte der Grube Silberhardt

Kelten, Karl der Große, der 30-Jährige Krieg



 

von Harald Patzke

 

Der Beginn des Bergbaues und die erste Blütezeit

 

Die Anfänge des Bergbaus im Windecker Land liegen in der keltischen Zeit, in den Jahrhunderten vor der Zeitwende. Man vermutet, dass die Kelten, vom Siegerland herkommend, den leicht verhüttbaren Brauneisenstein entdeckt haben, der auf der Grube Eisenberg auch heute noch an der Erdoberfläche liegt.

Mit dem Frankenreich nahm der Bergbau an Bedeutung zu, da Karl der Große den Silberdenar als reichsweit geltende verbindliche Währung eingeführt hat. Im hohen Mittelalter haben zahlreiche geistliche und später weltliche Herrscher Bergbau zu ihrem Vorteil betrieben.

Sicher ist, dass vor dem Jahr 1200 eine jahrhundertealte Verhüttungstradition auf diesem Territorium bestanden hat. Davon zeugen die Funde und Datierungen der Rennfeueröfen, die sich auch in den Siefen um die Grube Silberhardt befunden haben. Ab dem 13. Jahrhundert wurden diese ersten Schmelzöfen von Blashütten abgelöst, die durch die Wasserkraft der Bäche angetrieben wurden.

Wann genau der Silbererzabbau angefangen hat, ist nicht eindeutig belegt.

Der Erzählung nach hat der systematische Abbau am Kohlberger Gangzug im 14. Jahrhundert auf Geheiß der Grafen von Berg stattgefunden. Sie übernahmen vom Erzbischof von Köln bereits Mitte des 13. Jahrhunderts die bedeutenden Silbergruben von Wildberg und Heidberg. Adolf III von Berg betrieb auch die Hütte und Münzstätte in Wildberg.

 

Nach der Ausschöpfung der leicht zugänglichen Erzvorkommen auf der Spitze des Perseifener Berges (Tagebau und Schächte bis 25 Meter Tiefe) wurde die Förderung immer schwieriger. Mit zunehmender Tiefe wurde das Wasser zum Problem, so dass die Förderung unrentabel und deshalb eingestellt wurde.

 

Nach der Verleihung des Bergeigentums (Bergregal) an das Herzogtum Berg wurde Ende des 15.

Jahrhunderts eine Weiterverleihung der Gold- und Silbervorkommen an Kölner Kaufleute durchgeführt. Diese haben vermutlich mit Risikokapital eine Lösung des Wasserproblems gefunden: Durch zwei horizontal geführte Gänge erreichte man die Entwässerung durch Ableitung des Wassers aus dem Berg. Die Bergeshöhe von 53 Meter war wasserfrei. Die Jülich-Bergische Bergbauordnung, der Einkauf von Wissen durch Fachleute und die Errichtung einer Bergbaubehörde auf der Burg Windeck förderten den weiteren Bergbau im 16. Jahrhundert.

 

Die alten oberflächennahen und sehr silberhaltigen Lagerstätten waren aber bald erschöpft. Für den Abbau in der Tiefe fehlten die technischen und finanziellen Möglichkeiten, vor allem für den Betrieb der Wasserhaltungsmaschinen. Stark war auch die Konkurrenz der Silbererzvorkommen in der Neuen Welt nach der Entdeckung Amerikas.

Der 30-Jährige Krieg (1618-1648) und die nachfolgenden militärischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts beschleunigten den Niedergang des Bergbaus auch im Bergischen Land.

Nach einer alten Notiz im herzoglichen Archiv wurde der Bergbau auf der Silberhardt im Dreißigjährigen Krieg beendet.

 

Zweite Blütezeit

 

Eine langsame Erholung trat erst nach 1750 ein –

1752 erhielt ein Privatunternehmer - Gerhardius Panthel, ein Rosbacher Lokalgewerke, der überall im Kirchspiel Rosbach die bekannten alten Gruben wieder auffuhr - die Genehmigung zum Betrieb der Grube Silberhardt. Er baute einen größeren, besser befahrbaren Eingangsstollen (Teile unseres heutigen Besucherstollens) und holte sich Fachwissen aus dem Harz. Infolge geringen Kapitaleinsatzes konnten er und seine Nachfolger auch nur geringe Mengen silberhaltigen Bleierzes abbauen. Wieder war die Grube an einem kritischen Punkt.

Ab 1806 stand das ganze Bergische Land unter der Herrschaft Napoleons. Das Amt Windeck wurde aufgelöst.

1808 erwarb der Fabrikant und Bürgermeister von Altena, Johann Caspar Rumpe, die Grube. Mit Fachleuten und großem Kapitaleinsatz erschloss er einige Silbererzvorkommen, 26 Meter unter der Stollensohle. Dies war mit enormen Kosten für die Wasserhaltung (Förderung des Wassers) verbunden. Mit dem Bau einer Wasserhebeanlage (Wasserkunst) und später eines tieferen Stollens war wieder eine komplette Wasserfreiheit von 26 Metern unter der Tagesoberfläche vorhanden. Nach dem Bau eines Pochwerkes (Aufbereitung) in Rosbach und dem Umbau der Bröler Hütte in Waldbröl von einer Stahl- zu einer Silber- und Bleihütte entwickelte sich ein effektiver Erzabbau mit Aufbereitung und Verhüttung.

Dieser Abbau auf der Grube endete 1836. Wieder war die Grube aus betriebswirtschaftlichen Gründen zur Einstellung der Arbeiten gezwungen.

 

Nach der endgültigen Niederlage Napoleons 1815 kam das Bergische Land zu Preußen. An die Stelle der napoleonischen Arrondissements traten die Landkreise. Rosbach, und damit das Bergbaugebiet am Kohlberg, gehörten zum Kreis Waldbröl.

Mit der Übernahme der Rheinlande durch Preußen leitete das preußische Berggesetz von 1865 eine wesentliche Entwicklung des Bergbaus ein.

Weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen waren der Bau der Eisenbahn Köln-Siegen und der Einsatz von Dampfmaschinen.

 

Die dritte Blütezeit

 

Eine besondere Blütezeit bescherte der Grube Silberhardt das von F.W. Hasenclever entwickelte Verfahren der Zinkgewinnung. Dieses ermöglichte, das Zink aus bisher wertlosem Haldenmaterial zu gewinnen. In den Jahren 1853-1858 wurde durch Ausklauben der Halden erst einmal 30 000 Zentner Blende gewonnen. Das war aufgelesenes Geld ohne Kapitaleinsatz.

In den Jahren 1859-1861 wurden in der Grube Silberhardt noch vorhandene Bleierze durch eine unbekannte, kleine Gesellschaft abgebaut.

Am 4. Juli 1861 wurden die Abbaurechte neu verliehen.

Seit dem Jahr 1863 war die Grube im Besitz der holländisch-deutschen AG „Silberhardt en Jucht“, später der AG „Ertsdelveriy Amsterdam“.

Die bekannten alten Stollen und Schächte wurden neu aufgefahren und die dort vorhandene Zinkblende wurde bis zur tiefen Stollensohle abgebaut. Im Jahr 1865 wurden hier so 1.325 Zentner Zink aus dem „Alten Mann“ gewonnen. Wieder war man am betriebswirtschaftlichen Ende angelangt.

Im Jahr 1868 beantragte das Oberbergamt Bonn bei der Königlichen Regierung den Bau einer Aufbereitungsanlage mit Wasserradantrieb für die neue Aufbereitung der Grube.

Aufgrund von zahlreichen Protesten der Anlieger konnte diese Anlage jedoch nicht gebaut werden.

Nach Abbau der leicht erreichbaren Erze bis zur tiefen Stollensohle musste mit enormen Kosten ein maschineller Tiefbau eingeführt werden. Hierzu reichte das Stammkapital der Gesellschaft „Silberhardt en Jucht“ in Höhe von 400.000 Gulden nicht aus. Eine Umschuldung musste vorgenommen werden..

Die Gesellschaft „Ertsdelveriy Amsterdam“, die ebenfalls mit einem Stammkapital von 400.000 Gulden ausgerüstet wurde, vollendete die Anlagen mit einem Maschinentrakt für die Förderung, die Wasserhaltung und Bewetterung, einer Aufbereitung, einer Schreinerwerkstatt, einer Zimmermannswerkstatt, einer Schmiede, einem Magazin, einem Knappenhaus, einem Maschinisten- und einem Steigerhaus sowie einem Direktionsgebäude (steht als einziges Gebäude noch).

 

1876-1877 wurde zur Transportverbesserung zum Bahnhof Schladern, die Silberhardtstraße zur Grube gebaut. Bis 1881 hat man auch Blei-, Zink,- Kupfer- und Eisenerze aus Tiefen von 55, 83, 105 und bis zu 130 Metern gefördert. Bis zu 300 Arbeiter sollen auf der rund um die Uhr laufenden Anlage beschäftigt gewesen sein. Die Grube Silberhardt war einer der größten Arbeitgeber der Region. Die 156 Meter Sohle wurde angefahren. Sie enthielt jedoch vermehrt den wesentlich billigeren Eisenstein. Zur Förderung hätte, wegen der technisch nicht mehr zu realisierenden Entwässerung, ein neuer Maschinenschacht gebaut werden müssen. Dafür war kein Geld mehr da.

 

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 erzielten Bleierze Rekordpreise - die Förderung der Bleierze wurde deshalb forciert. Nach dem Krieg fielen die Preise wieder und der Betrieb wurde in zahlreichen Gruben eingestellt.

Die Grube Silberhardt war trotz guter Ideen, wie z.B. der Bau eines weiteren „Tiefen Stollens“ von Öttershagen nach Rosbach-Kleehahn, betriebswirtschaftlich erneut am Ende.

 

Anfang vom Ende- Weitere kleinere Arbeiten

 

Die Belebung des Grubenbetriebes Ende des 19. Jahrhunderts durch neue Besitzer schlug mangels Kapital für technische Investitionen und einem hohen unternehmerischen Risiko fehl. Trotz der Mittel aus dem Verkauf der Anteilsscheine (Kuxe) wurden nur Grubenfelder erschlossen und gekauft sowie Untersuchungsarbeiten an der Grube Jucht finanziert.

Auf der Grube Silberhardt hat nur an den Aufbereitungsanlagen eine Erweiterung stattgefunden. In den Halden der Grube steckte immer noch wertvolles Material: 1400 Tonnen hochsilberhaltiger Bleiglanz, 2600 Tonnen Zinkblende, 10 000 Tonnen Spateneisenstein.

Bis 1915 hielt sich Grube Silberhardt noch über Wasser. Danach ging sie ihrem Ende entgegen. Der Gerichtsvollzieher versteigerte die meisten Maschinen. Um das Jahr 1914 bekam die Gewerkschaft der Grube Silberhardt zudem noch Konkurrenz: Der Oberingenieur Friedrich Flottmann aus Helmstedt witterte in den Halden der Grube ein Geschäft und baute 1914 eine neuartige Aufbereitungsanlage auf, deren Fundamente bis heute erhalten sind.

Die Streitigkeiten um den Haldenbesitz mit den Vertretern der Gewerkschaft Silberhardt und später Thyssen trübten diese unternehmerische Tätigkeit und im Jahr 1921 bot Flottmann Halde und Anlage zum Verkauf an.

 

-Ein neuer Anlauf lässt hoffen

Nachdem die Firma Thyssen (Gesellschaft für Hüttenbetriebe) 1920 den benachbarten Eisenberg erworben hatte, rückte auch der ab der 156-Meter-Sohle auf der Grube Silberhardt nachgewiesene Eisenstein wieder ins Visier. Vom Eisenberg wurde auf eine Richtstrecke (Stollen) auf den Schacht Silberhardt zu gebaut. Der alte Schacht der Silberhardt wurde ausgemauert und der obere „Neue Stollen“ wieder geöffnet (aufgewältigt). Mangels Erfolg wurden 1924 alle Arbeiten auf den Gruben Eisenberg und Silberhardt wieder eingestellt.

 

-Der letzte Bergbau, Reste werden abgebaut

Nach dem Karl Käsgen, der in der Grube Eisenberg gearbeitet hat, seinen Arbeitsplatz verloren hatte, wollte er sich selbstständig machen. Mit vagen Plänen nahm er die Flottmann Anlage 1924 in Betrieb und richtete zusätzlich auf der Grube Silberhardt einen Restebergbau ein. Am 14. November wurden 15 Arbeiter in der neuen Firma eingestellt. In der Grube Silberhardt wurden stehengebliebene Erzpfeiler (Schweben) abgebaut bis der Schacht ca. 5 Meter unter der Erdoberfläche zusammenbrach. Weiterhin wurden Erzpfeiler in dem Silberhardter Schürfstollen (Stollenmundloch am Rande des heutigen Wanderparkplatzes) abgebaut.

Durch ein neues, um 1900 entwickeltes, magnetisches Verfahren konnten aus dem Haldenmaterial vermehrt Metalle gewonnen werden. Nach anfänglichen Erfolgen stellte sich heraus, dass das Erz nicht dem geforderten Reinheitsgrad entsprach und somit nur schlecht zu verkaufen war. Da jedoch das Kapital für Investitionen in bessere Verfahren (chemisches Verfahren) fehlte, wurde der Betrieb eingestellt.

Die Ausbeute in der zweijährigen Tätigkeit betrug 58 Tonnen Blei- und 31 Tonnen Zinkerze. Am 4. November 1925 wurden die letzten Beschäftigten der Firma entlassen. 

Die Rezession der Zwanziger Jahre brachte den Bergbau in der Region insgesamt zum Erliegen. Daran änderten auch die 1936 unter den Nationalsozialisten durchgeführten Untersuchungen nichts. Sie ergaben, dass ein wirtschaftlicher Abbau der Mineralien zumindest an den wenigen offenen Stollen nicht rentabel wäre. Bis 1965 wurde die „Konsolidation Eisenberg“ Grubenfelder von Rosbach bis Waldbröl im Kohlberger Gangzug noch als Reserve geführt, doch aufgenommen wurde der Abbau nicht mehr. Weitere Untersuchungen wurden bis 1990 durchgeführt.

 

Lebendige Geschichte in der Gegenwart

 

„Wir sollten ein Stück unserer Kultur für uns, unsere Kinder und die Besucher wiederherstellen und erhalten“. Mit diesen Worten begann im Jahr 1997 ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Grube Silberhardt: Ihr Ausbau zu einem Besucherbergwerk. Eine Bürgerinitiative hat mit Unterstützung der Gemeinde Windeck unter großem persönlichen, zeitlichen, materiellen und finanziellen Einsatz die noch vorhandenen Anlagen gesichert, alte Stollen zugänglich gemacht und den Besucherbetrieb aufgenommen. Unter der Leitung des Steigers Horst Moritz lernten Handwerker aller Fachrichtungen wieder alte Bergbautätigkeiten und führten sie aus.

Um das Besucherbergwerk dauerhaft zu erhalten waren erhebliche finanzielle Aufwendungen notwendig. Die Mittel wurden von der Kreissparkasse Siegburg und der Rosbacher Raiffeisenbank eG, der NRW- und der Kreissparkassenstiftung, dem Landschaftsverband Rheinland und dem Rhein-Sieg-Kreis, einschließlich des Fördervereins für den östlichen Rhein-Sieg-Kreis, den Gemeinden Windeck und Morsbach sowie von Privaten aufgebracht.

 

1999 waren die Arbeiten an der Museumsgrube soweit gediehen, dass die ersten Besucher einfahren konnten.

Bis zur Eröffnung des neuen, modernen Besucherzentrums einschließlich Lok- und Instandhaltungswerkstatt belief sich die Besucherzahl auf 3000 bis 4000 jährlich. Fachkundige Führer begleiten Besuchergruppen in die Stollen und Schächte, erläutern die Geschichte der Grube, die Grubenteile, die Arbeitsweise, Werkzeuge und Mineralien.

 

Neben der revitalisierten Grube entstand durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen auch ein 1,7 km langer Bergbau-Wanderweg. Die Besucher werden hier anschaulich über die vorkommenden Bodendenkmäler Stollen- und Schachtbergbau, die Holzkohlegewinnung und Verhüttung informiert. Anhand der Streckenmarkierungen können die Gäste die Strecke selber erwandern. Hierzu wurden unter Mithilfe des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege Bodendenkmäler ausgegraben und detailgenau wieder aufgebaut.- Ein Wanderweg zum Anfassen!

Der Rundweg beginnt und endet auf dem Parkplatz der Grube Silberhardt in Öttershagen und führt vorbei an den Gruben Prosa, Eisenberg und Zwischenfeld. Neben der Zentraltafel erläutern Schautafeln an 14 Stationen die Entwicklung des Bergbaus und der Metallgewinnung.

 

In Anerkennung dieser geschichtlich und regional relevanten Arbeit wurde in den Jahren 2010/2011 ein neues Besucherzentrum gebaut. Mit den Mitteln der Kreissparkasse Köln, des Landschaftsverbandes Rheinland sowie der Gemeinde Windeck ist ein neues Gebäude mit einem musealen Teil, Besucherräumen und einer Bewirtung sowie ein Gebäude für die Instandhaltung entstanden. Die Mitglieder des zwischenzeitlich gegründeten Fördervereins zur Erhaltung der Bergbau- und Hüttentradition e.V. betreuen ehrenamtlich den Besucherbetrieb des Grubenkomplexes.

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